Positiv denken

Positiv denken, das ist schnell so dahin gesagt. Ändere einfach Dein Mindset, lass die negativen Gedanken wegziehen, denke an das Schöne und Gute in der Welt, übe Dankbarkeit.

Super Tipps für jemand, der gerade für sich Erfahrungen macht, die so gar nichts mit gut und schön zu tun haben. Wenn die Welt gerade dunkel ist, kannst Du halt nicht unbedingt immer einfach das Licht anmachen. Da hast Du sicher einen Vorteil, wenn Du weißt, wo der Schalter ist, ohne Frage. Aber dann kann der immer noch kaputt sein, der Strom ausgefallen oder die Glühbirnen (wahlweise LEDs) durchgebrannt.

Ok, es scheint ja Menschen zu geben, bei denen das alles doppelt abgesichert ist und die einfach immer und zu jeder Zeit „Schnipps“ machen können und alles ist wieder gut. Volle Beleuchtung, hell wie ein Sommertag und die Welt ist wieder in Ordnung. Zumindest hört oder liest man das von denen. Wobei, hören und lesen kann man nur das, was gesagt oder geschrieben wurde, mag ich mal so anmerken.

Positiv denken, ist das also Quatsch?

Ja und Nein. So als absolute Aufforderung, in meiner Welt zumindest, ganz sicher. Wenn gerade jemand gestorben ist, der mir nahe steht, ich im Job gekündigt und gleichzeitig noch in einen Unfall verwickelt wurde, dann wird es ziemlich schwierig, einfach mal so darüber nachzusinnen, wie toll doch die Welt eigentlich ist. Für die meisten zumindest. Und ich persönlich halte das auch gar nicht für erstrebenswert. Ich denke, manche Dinge gehören zum Leben. Trauer, Liebeskummer, Enttäuschung und was es da sonst noch so alles gibt. Ja, es wäre manchmal in der Vorstellung schön, das einfach ab- und das Licht einschalten zu können. Aber wenn ich mein Leben so vor meinem geistigen Auge Revue passieren lasse, würde mir auch etwas fehlen. Etwas, woraus ich unendlich viel gelernt habe und in dem auch teilweise so viel Liebe steckt.

Ich bin trotzdem der Meinung, dass positiv Denken durchaus hilfreich sein kann. Im Sinne einer gewissen Grundhaltung. Und die kann man sich ja aneignen. Da kommen dann wieder die ganzen Dinge wie Achtsamkeit, Dankbarkeit und so ins Spiel. Immer wieder geübt können die sowas sein wie eine Notbeleuchtung.

Ich will das mal mit einem bekannten Bild beschreiben. Da stehst Du vielleicht gerade im dunklen Tunnel. Und im besten Fall siehst Du das Licht am Ende, vielleicht noch nicht mal das, wenn der Tunnel gekrümmt ist. Wie auch immer, da wo Du gerade bist, siehst Du nichts. Positiv denken, wie ich es verstehe, gibt dir dabei etwas an die Hand, was von unschätzbarem Wert ist.

Vielleicht kennst Du ja noch diese Dynamotaschenlampen. Deren Akku kannst Du füllen, indem Du einen Hebel öfter drückst oder an einer kleinen Kurbel drehst. Und dann hast du für eine Weile Licht. Das ist so ungefähr das, was Du tust, wenn Du Dich in positivem Denken übst. Und je öfter Du das tust, umso ausdauernder kannst Deine Lampe aufladen. Am Anfang verkrampfen die Muskeln noch ziemlich schnell, und nach und nach wird es immer leichter.

Der Tunnel löst sich dadurch nicht in Luft auf, und für die meisten Menschen ist es, ob nun mit oder ohne Taschenlampe, jetzt auch nicht unbedingt der bevorzugte Aufenthaltsort. Aber mit ein wenig Licht und der Gewissheit, dass auch der längste Tunnel irgendwann zu Ende ist, lässt es sich ja möglicherweise viel einfacher ertragen.

Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, dass die Phasen, in denen ich durch einen Tunnel wandere, mit der Zeit dadurch immer kürzer wurden. Vielleicht, weil man mit ein wenig Licht einfach schneller voran kommt.

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