Wer bist du?

Weißt du, wer du bist? Was sind deine Werte, was sind deine Ziele, was sind deine Träume, was deine Vorstellungen von der Welt?

Ich kann von mir sagen, ich habe lange die Werte anderer über meine gestellt, die Ziele anderer verfolgt, ihre Träume für meine gehalten und ihre Vorstellungen einfach übernommen. Ich habe meine eigenen, soweit vorhanden, irgendwo in mir vergraben, weil es so bequem war.

Eigenes muss ich vor anderen vertreten. Und im einen oder anderen Fall auch damit rechen, dass mir das jemand krumm nimmt, mich nicht versteht oder eine Verbindung, sei es Freundschaft oder Beziehung, nicht funktioniert. Eigenes muss ich hegen und pflegen, darüber nachdenken, es ausbauen und es selbst zu einem Ganzen machen. Ich muss es austesten, verändern, anpassen, immer wieder hinterfragen. Und es besteht immer die Gefahr, dass ich damit auf die Schnauze falle und dummerweise dann selbst daran „schuld“ bin.

Wenn ich meine Werte und Vorstellungen von anderen übernehme, sagen wir von einem Freund, wird es keine Auseinandersetzung geben, nicht wahr. Da sind wir uns logischerweise bei den entscheidenden Punkten immer einig. Was aber, wenn ich an anderer Stelle mit genau diesen Werten und Vorstellungen scheitere? Wenn ich ein Ziel nicht schaffe, das in Wirklichkeit so nicht meins war? Wenn ich anderen gegenüber die Werte anlege, die nicht meine sind? Auf die Schnauze falle ich dann genauso, nur, wer wird letztlich „schuld“ sein? Richtig, ich bin es nicht. Es ist der andere, die Gesellschaft, die Umstände, was auch immer. Praktisch. Und irgendwie bequem. Kurzfristig gesehen.

Was passiert, wenn ich das immer so mache? Wenn ich immer wieder an den von anderen einfach übernommenen Werten und Vorstellungen scheitere? Oder wenn ich mehrere Menschen gleichzeitig bedienen will damit? Was, wenn die sich womöglich kennen und nicht besonders mögen? Wem gebe ich den Vorzug, wenn an grundsätzlichen Stellen andere Vorstellungen bestehen? Ich kann dann natürlich Bäumchen-wechsel-dich spielen und immer die passende Position einnehmen. Ist aber anstrengend. Am einfachsten ist es, dann einen los zu werden. Dann ist alles wieder im Lot.

Oder ich merke irgendwann mal, was ich da eigentlich mache und raffe mich auf, um es zu ändern. Gar nicht so einfach. Jahre- oder jahrzehntelange Gewohnheiten auszutreiben geht nicht von heute auf morgen. Und da ist zunächst ja auch wenig, worauf sich aufbauen lässt. Alles ist verkramt und tief verborgen, vieles fehlt vielleicht auch ganz. Worüber ich mir nie eigene Gedanken machen musste wird ja unter Umständen eben auch keine eigene Einstellung dazu hinterlassen haben.

Und doch fühlt sich die Erkenntnis gut an. Weil so viel Freiheit damit verbunden ist. Und so viel Hoffnung. Stell dir vor, das, was du tust, ist wirklich DEINS, aus deinem eigenen Geist erschaffen, eins mit dir, mit deinen Werten, mit deinen Vorstellungen. Um wieviel motivierter wirst du Dinge verfolgen, die du selbst aus tiefstem Herzen willst? Um wieviel zufriedener wirst du dein Leben leben? Alles, was nicht so gut funktioniert, kannst du ändern. Ohne das Gefühl, jemandem auf den Schlips zu treten. Um wieviel leichter wirst du anderen gegenüber deine Pläne, deine Ansichten vertreten können, die auf deinen eigenen Grundlagen aufbauen. Und wie wird das wohl auf andere wirken?

Das heißt übrigens nicht, dass du nicht Werte und Vorstellungen von anderen übernehmen darfst. Schau, was für dich passt und mache es zu deinem Eigenen. Es gibt keinen Grund, nicht bei anderen Menschen zu schauen, wie sie bestimmte Dinge tun und es genauso zu machen – solange es für dich funktioniert und du es für dich und im Einklang mit dir selbst tust. Das ist eine sehr sinnvolle Art des Lernens.

Und ja, das Verhältnis zur einen oder anderen Person in deinem Leben wird vielleicht schwieriger. Weil vielleicht an mehr Stellen die Meinungen auseinander gehen. Weil vielleicht ein bisschen mehr Arbeit nötig ist, um einander zu verstehen. Und weil beide Seiten vielleicht das eine oder andere Zugeständnis machen müssen. Manchmal verbessert das ein Verhältnis, manchmal wirst du jemanden loslassen müssen. Doch was immer passiert, du tust es dann für dich.

Lebst du schon DEIN Leben?


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