Erfolge und Misserfolge

Früher habe ich oft da gesessen und so für mich gedacht, was hast du schon erreicht im Leben, was hast du so an Erfolgen eingesammelt. Und die Antwort war: Nichts. Eine sehr praktische Antwort! Weil, wenn ich dann darüber nachgedacht habe, etwas Neues anzufangen, half das wunderbar, es oft nicht zu tun. Misserfolge fielen mir ja genug ein. Warum sollte es auch jetzt klappen, wo ich doch bisher auch nichts hinbekommen habe.

Dabei, wenn ich das heute so überlege, stimmte das nie. Ich habe zwar kein Haus, kein Cabrio und keine Yacht – was mich nebenbei gesagt auch alles drei nicht wirklich interessiert. Ich habe aber ganz viele Dinge im Leben durchaus bewegt, durchgezogen, durchgesetzt oder sogar initiiert. Nichts, was vielleicht die Welt im Großen weiter gebracht hätte. Aber meine Welt und wahrscheinlich auch immer ein bisschen die um mich herum.

Ich habe jahrelang als studentischer U-Bahn-Fahrer meine Fahrgäste sicher an ihr Ziel gebracht – und mir damit einen Traum erfüllt. Ich habe auf diversen Arbeitsstellen viel Geld gespart, weil ich selbst nächtelang programmiert und Abläufe verbessert habe. Und ich habe vielen Menschen ein Ohr geliehen und ihnen vielleicht ein bisschen weiter geholfen auf ihrem Weg. Ich konnte meinen Vater überreden, frühzeitig aus gesundheitlichen Gründen in Rente zu gehen und damit noch ein paar schöne Jahre zu verleben. Und, und, und… All das habe ich früher einfach vergessen. Es war mir nichts wert. Warum?

Welche Erfolge hattest du im Leben, die du einfach mal so unterschlägst, wenn du über dich nachdenkst? Welche Situationen fallen dir ein, die dir doch eigentlich ein Lächeln ins Gesicht zaubern sollten, wenn du dich an sie erinnerst? Und wenn es darauf ankommt und es so viel besser wäre, dich an solche Erfolge zu erinnern, sind sie wie weggeblasen. Dafür fallen dir vielleicht ganz viel Momente ein, wo du einen Fehler gemacht hast, dich aus heutiger Sicht vielleicht falsch entschieden hast oder du andere hast für dich entscheiden lassen.

Was wäre wenn du in Zukunft anders an die Dinge heran gehen könntest? Was wäre wenn die „guten“ Situationen mehr Gewicht bekämen und deine Entscheidungen viel mehr oder zumindest gleichwertig zu den „schlechten“ beeinflussen würden? Wie würde sich das wohl auf deine Wahlmöglichkeiten auswirken, wenn du die vielen guten Referenzerfahrungen mit in deine Überlegungen aufnehmen würdest, anstatt immer viel mehr darüber nachzudenken, was im Leben nicht geklappt hat?

Was wäre wenn die „guten“ und die „schlechten“ Erfahrungen zusammen die Basis für zukünftige Entscheidungen bilden dürften? Wie hilfreich wäre es wohl, bei jeder Entscheidung sowohl die Strategien, die funktioniert haben, als auch die, die nicht funktioniert haben, zu berücksichtigen?

Für mich hat sich dies als ein wichtiger Baustein dafür erwiesen, um viel öfter zu erkennen, dass ich eine Wahl habe, Dinge auf verschiedene Weise anzugehen. Weil ich weiß, dass das, was ich angehe, im Ausgang offen ist. Ich kann immer nur im Moment entscheiden, ich kann objektive Sachverhalte einbeziehen. Und ich kann niemals alle Eventualitäten einplanen. Das gibt mir Wahlmöglichkeiten. Und ja, alles, was ich anfange, kann auch schief gehen. Und dann?

Vielleicht bewunderst (oder beneidest) du oft Menschen, denen der Erfolg einfach so in den Schoß zu fallen scheint. Und fragst dich, warum dir das nicht mal passiert. Vielleicht sind es ja oft nur ganz wenige Dinge, die diese Menschen anders machen. Und du kannst dir jetzt sicher vorstellen, was eines davon ist, nicht wahr.

Dieser Text ist auch über the-coach.net erreichbar.

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